AlterKnacker´s Streiflicht zu Günter Grass

Was hat Günter Grass nur getrieben, dieses Gedicht so zu verfassen, wie es jetzt geschrieben und veröffentlicht steht? Ich persönlich liege seit einer Woche mit einer ekligen Grippe im Bett und kann eigentlich nicht reagieren, sondern immer wieder nur daran denken. Heute geht es mir wieder einigermaßen und ich versuche mal, den Kontext in ein Licht zu rücken, dass jeder eigentlich verstehen müsste. Ich träume Nachts sogar davon, obwohl ich nur Ausschnitte kenne. Hinzu kommt aber auch noch, dass ich mindestens 10 mal versucht habe, “Die Blechtrommel” zu lesen und immer wieder gescheitert bin, es ist einfach nicht mein Stil, in dem ich mich in ein Buch versenken kann. So geht es mir übrigens mit vielen deutschen Autoren, Dichtern und Schriftstellern. Ist für mich wie zuschauen, wenn ein Grashalm wächst, mit einer Highspeedkamera aufgenommen, mag ist ja noch plastisch erkennbar sein, aber in der Realität unmöglich. Ich bin Realist. Günter Grass ist also kein Favorit von mir persönlich.

Sein Gedicht:

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.“

Quelle

Schon die erste Strophe ist mir persönlich, da ich ja keine Gedichte schreibe, in anderer Form durch den Sinn gegangen, als medial veröffentlichter Fakt, denn die Printmedien haben dies schon lange als ankündbare Tatsache veröffentlich. WIR alle werden dadurch vor einem gewaltsamen Einsatz im nahen Osten gewarnt, in den Medien, aber nicht in allen natürlich, eher wie eine Fußnote, was Grass ja in seinem letzten Wort quasi erwähnt. Dass davon bisher nichts im FIWUS steht oder stand, ist eigentlich genauso wenig zu entschuldigen wie die Verspätung von Günter Grass, aber vielleicht liest er auch die tägliche Nachrichten und Kommentare zum Weltgeschehen wie ich persönlich und ordnet sie in wichtig und weniger wichtig ein. Wichtige werden bei mir oft zu einem Beitrag verarbeitet und auch veröffentlicht, die weniger wichtigen gehen dabei manchmal ‘verloren’, werden zugedeckt von der Aktualität und verlieren sich mit der Zeit. Aber ich bin ja auch kein Nobelpreisträger, habe keinen bekannten Namen und bin somit unwichtig für diese Welt, in der mir eigentlich JEDER Mensch wichtig ist oder sein sollte. Erst an solche Ereignissen erkenne ich bei mir persönlich, welch dummes Arschloch ich bin.

Strophe 2 behandelt den sogenannten ‘behaupteten’ Erstschlag auf einen Maulhelden. Die Tatsache, dass Herr Ahmadinedschad wirklich ein Maulheld ist, hat er schon vielfach unter Beweis gestellt und sollte auch den Israelis inzwischen ausreichend bekannt sein. Bei solchen Menschen sagte man früher, als sie noch zur Schule gingen, sie versteckten sich immer gerne hinter Größeren, wenn sie mal wieder eine große Klappe hatten und damit jemanden gegen sich aufgebracht haben. Nur waren diese sogenannten Größeren oft nicht gerade mit Klugheit gesegnet, denn sonst hätten sie dem Maulhelden ziemlich schnell Grenzen aufgezeigt und nicht seine Ohnmacht ins Gegenteil zu seinem Vorteil verkehrt. Maulhelden sind von Haus aus wirklich feige und darum auch meist gefährlich. Wer dies nicht erkennt, wird sich niemals ein gesundes Maß an Menschenkenntnis aneignen und dies ist oft genug auch ein Handicap eines Schriftstellers oder Autoren oder Dichters, der wohl für viele großartige Texte verfasst und veröffentlicht, aber die Realität nicht mehr persönlich an sich heran lässt. Der Künstler ist ein Kopf- aber oft genug weniger ein Bauchmensch. Wäre er mehr ein Bauchmensch, würde er auch nicht ‘vermuten’, dass der Maulheld eine Atombombe bauen will, es wäre für ihn eine Tatsache, denn sie bringt eine unglaubliche Machtfülle, welche wie eine Droge gebraucht wird und zwar von jedem unberechenbaren Machthaber.

Die dritte Strophe ist die eigentlich wichtigste Frage in diesen ganzen Gedicht, denn sie sagt erst mal mehr über den Autoren und auch seine Ängste gegenüber diesem Land aus, aber in einem Zustand, der weit über eine Angstpsychose hinaus geht. Israel ist ein Trauma für Günter Grass, dass ist natürlich nur meine persönliche Meinung, aber sie ist mir so offensichtlich wie ein aufgeschlagenes Buch, in dem ich lesen kann.

Herkunft und Familie wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig als Sohn eines protestantischen Lebensmittelhändlers und einer Abstammung geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Danzig in einfachen Verhältnissen. Die Eltern betrieben ein Kolonialwarengeschäft im Danziger Stadtteil Langfuhr (heute: Wrzeszcz). Die kleine Zweizimmerwohnung hatte kein eigenes Bad. Günter Grass und seine Schwester Waltraut hatten kein eigenes Zimmer.

Durch seine katholische Mutter geprägt, wurde Günter Grass Messdiener. Später geriet er unter den Einfluss der NS-Ideologie, obwohl er nach eigenen Angaben von der Hitlerjugend nicht begeistert war.Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich mit 15 Jahren – nach eigenen Angaben, um aus der familiären Enge zu entkommen – freiwillig zur Wehrmacht. Nach dem Einsatz als Luftwaffenhelfer und der Ableistung des Reichsarbeitsdienstes wurde er am 10. November 1944 im Alter von 17 Jahren zur 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ Waffen-SS einberufen.

Quelle: Hier weiterlesen

Genau diese beiden kleinen Abschnitte aus Wikipedia sagen schon so eine große Menge darüber hinaus aus, dass man einen Menschen wie Günter Grass fast nur nach einem Leben von 20 Jahren beurteilt und einteilt und der Rest plötzlich unwichtig geworden ist. Die Traumata dieser 20 Jahre, welche er mir fast auf den Tag voraus hat, kommen mir doch insofern bekannt vor, denn sie könnten ja auch mir persönlich passiert sein, nur hätte ich sie wahrscheinlich nicht überlebt. Grass ist gefangen. In einer Vergangenheit, welcher keine Deutscher wird jemals ablegen können wie einen dreckigen Mantel, egal ob er 20 Jahre früher oder später geboren ist. Ich persönlich werde im November 65 Jahre und auch wenn ich erst 1947 geboren wurde, werde ich den Gräuel dieser Zeit von 1933 bis 1945 niemals entgehen, denn sie sind in meinem Kopf. Grass hat mir 20 Jahre voraus und ich weiß nicht, was er weiß, aber ich gehe einmal davon aus, dass auch er schon in jungen Jahren angefangen hat, zu denken.

Die Keule des Antisemitismus mag ihn vielleicht in seiner jugendlichen Entwicklung gestreift haben, jedoch hat sie Günter Grass niemals voll getroffen, denn als Antisemit wird man nicht geboren. Wenn ich so etwas über einen Menschen schreibe und damit eine Behauptung aufstelle über diesen Menschen, den ich ja eigentlich gar nicht kenne, dann hat das Ganze auch nichts mit irgendwelchen Erkenntnissen zu tun, die besitze ich nicht, aber ich habe ein Bauchgefühl und dieses fängt immer ganz besonders böse an zu krummeln, wenn ich mit solcher Idiotie konfrontiert werde. Dies war wohl die Neid-Rache des kleinen Schreiberlings an der Wortgewalt eines Günter Grass.

Auch ich selbst schreibe, um gelesen und verstanden zu werden.

Jegliche Debatte muss bei solchen Größen zu solchen Themen erlaubt sein, aber wenn sie mit unfairen Mitteln geführt werden, werde ich einfach nur Stinksauer. Aber wir haben ja mal wieder Wahlkampf im Land, auch wenn es nur um Landtagswahlen geht und die 4 sogenannten großen Blockflöten stimmen jetzt schon ein schaurig Lied für die nächsten Jahre in Deutschland an, denn was ich eigentlich mehr vermisse von einem Günter Grass zur Weltpolitik, ist ein Wort von ihm zu den neuen-alten Verführern dieser sogenannten “NSU” und der kackbraunen Ideologie in diesem Land. Möglicherweise ist es aber auch seinem Alter geschuldet, dieses Phänomen auf Wiedervorlage gelegt zu haben und er kann es einfach nicht mehr finden.

Aber Günter Grass ist nicht allein, auch wenn seine Gegner einzeln nicht mehr zu zählen sind und Hass sich einfacher einem ‚Publikum‘ vermitteln lässt als Wohlwollen.

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